Stellungnahme zum geplanten ICE-Werk im Nürnberger Süden

von Karoline Polster-Strobl, Direktkandidatin dieBasis , Wahlkreis Nürnberg Süd

Die Deutsche Bahn AG möchte in der Region Nürnberg ein neues ICE-Werk bauen. Hier soll pro Tag die Reinigung, Wartung und Instandhaltung von 25 ICE-Zügen stattfinden. Inzwischen stehen laut Konzern-Informationen neun Flächen im Großraum Nürnberg zur Auswahl. Von Anfang an war der Standort Nürnberg-Altenfurt/Moorenbrunn im Rennen.

Da die meisten ICEs tagsüber unterwegs sind, fallen bis zu 60 % der Arbeiten im ICE-Werk nachts an. Das 5,5 km lange Werk soll laut Planung hierfür mit bis zu 12 Meter hohen Lichtmasten (lt. Bahnangaben würden auch 6m hohe Masten genügen, was aber dennoch eine immense Helligkeit für die gesamte Umgebung darstellt) für die nächtlichen Arbeiten ausgeleuchtet werden. Alleine diese Lichtverschmutzung wird für starke gesundheitliche Beeinträchtigungen für die Anwohner und die Tierwelt der Umgebung sorgen.

Parallel zu den Wohnhäusern der Karl-Hertel-Straße und Hermann-Kolb-Straße in Altenfurt soll der komplette Wald durch eine 12 m hohe und 480 m lange Werkshalle ggf. mit zusätzlichen Lärmschutzwänden ersetzt werden. Auch die Radfahrer und Spaziergänger würde es hier besonders hart treffen: die Verbindung zwischen den Stadtteilen Altenfurt und Fischbach (Birkenweg) durch den Wald müsste für das ICE-Werk unterbrochen werden und würde wegfallen.

Das Bauvorhaben der Bahn würde viele weitere Baumaßnahmen in den Wohngebieten, den Verbindungsstraßen, sowie den Autobahnzubringer zur

A9 mit sich bringen. Zum einen müsste der gesamte S-Bahnhof Fischbach neu oder umgestaltet werden, da für das ICE-Werk bis zu sechs zusätzliche Gleise benötigt werden und somit auch die S-Bahn-Unterführung erweitert werden müsste. Die Auffahrt zum Autobahnzubringer müsste dann vermutlich ebenfalls verlegt werden, was wiederum eine zusätzliche Rodung von Waldfläche zur Folge hätte. Nicht zu vernachlässigen ist auch das zusätzliche Verkehrsaufkommen durch LKWs während der Bauphase. Hier wären vor allem die Anwohner in den Stadtteilen Moorenbrunn und Altenfurt betroffen.

Insgesamt müssten für das Bauvorhaben über 40 Hektar Wald gerodet werden. Hierbei handelt es sich teilweise um besonders geschützten Bannwald, um Teile eines europäischen Vogelschutzgebietes, Teile des Langwasser Landschaftsschutzgebietes und ein Orchideenbiotop. Zudem bietet der Wald einen natürlichen Schutz gegen den Lärm der wohngebietsnahen Autobahnen A6 und A9. Dass der Wald für die Anwohner auch besondere Bedeutung als Naherholungsgebiet hat, braucht nicht extra erwähnt werden.

Etwas fand bisher scheinbar weder bei der Bahn noch bei den zuständigen Politikern Gehör: die Sorge der Eigenheimbesitzer, dass ihre Immobilien -teils mit hohen Darlehenssummen finanziert- nach dem Bau des ICE-Werks deutlich weniger Wert haben könnten und der an sich ruhige und schöne Nürnberger Südosten immens an Attraktivität verlieren wird.

Diesen ganzen Beeinträchtigungen stehen etwa 400 bis 450 neue Arbeitsplätze für die Region und 400 Millionen € Investitionsvolumen gegenüber. Die Beschaffung der Bauleistungen muss zwar zwingend europaweit ausgeschrieben werden, oft aber können auch lokale Firmen als Unterauftragnehmer profitieren. Wie viele örtliche Baufirmen tatsächlich berücksichtigt würden, bliebe abzuwarten.

Grundsätzlich ist so ein Bauvorhaben natürlich zu begrüßen, dann aber auf einer bereits versiegelten Fläche, die entsprechend umgewidmet werden kann. Meines Erachtens überwiegen für den Standort Altenfurt/Moorenbrunn ganz deutlich die Kosten (verheerende Umweltschäden, zu erwartende gesundheitliche Beeinträchtigung für Menschen und Tiere, Minderung der Attraktivität des Nürnberger Südostens als Wohngebiet, …) gegenüber dem Nutzen („nur“ etwa 400 –

450 neue Arbeitsplätze und die Investition, vor der nicht absehbar ist, was tatsächlich in der Region bleibt).

Als Direktkandidatin des Wahlkreises Nürnberg-Süd der Basisdemokratischen Partei Deutschland (kurz: dieBasis) unterstütze ich die Anwohner der betroffenen Stadtteile in ihrem Kampf gegen einen weiteren gravierenden Eingriff – nach dem Ausbau des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost, der geplanten Juraleitung (Hochspannungsleitung zwischen Ludersheim und Raitersaich) und dem Bau eines Amazon-Logistikzentrums

– in ihren Wohngebieten. Die Bürger fordern zurecht einen demokratischen Diskurs, der alle Beteiligten mit einbezieht, im Sinne unserer parteilichen Grundwerte der Achtsamkeit, der Machtbegrenzung, der Freiheit und des Wissens von Vielen.

Karoline Polster-Strobl, Direktkandidatin für die Bundestagswahl 2021 des Wahlkreises 245-Nürnberg-Süd

Quellen: